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Ortsfamilienbuch Pinnow (bei Schwerin)Das Kirchspiel Pinnow bei Schwerin, seine Kirchen, Gebäude und Friedhöfe Der Begriff Kirchspiel bezeichnet einen Pfarrbezirk (Parochie), in dem die Ortschaften einer bestimmten Pfarrkirche und deren Pfarrer zugeordnet sind und in dem der Pfarrer predigen und die kirchlichen Amtspflichten ausüben darf. Er ist abgeleitet vom früheren niederländischen dingspil (vom germanischen Thing), mit dem ein Rechtsgebiet bezeichnet wurde. Der Wortteil –spiel geht zurück auf das alt- bzw. mittelhochdeutsche spẽl, spil mit der Bedeutung Rede, Erzählung bzw. im theologischen Kontext Predigt. Nach seinem Sieg über die von dem Slawenfürst Niklot geführten Obotriten gründete Heinrich der Löwe Im Jahre 1167 das Bistum Schwerin mit der Grafschaft Schwerin, zu der auch Pinnow gehörte. Die deutsche Besiedlung begann etwa zwischen 1211 und 1220. Zeitgleich mit der deutschen Besiedlung wurde die kirchliche Organisation ausgebaut. Es entstand das Kirchspiel Pinnow (mit dem Pfarrsitz in Pinnow) mit den Orten Gneven, Godern und Goderner Mühle, Görslow, Petersberg Dorf und Hof, Pinnow, (Raben) Steinfeld, Sukow (ab ca. 1560 nach der Umpfarrung von Crivitz) und Zietltz. 3.2. Die Kirchen, Gebäude und Friedhöfe Dorfkirchen sind oft die ältesten baulich erhaltenen Zeugnisse der Besiedlung einer Landschaft. Schriftquellen zur Baugeschichte einer Dorfkirche gibt es aber nur in den seltensten Fällen, so dass Datierungsversuche problematisch sind. Bei der deutschen Besiedlung wurden Kirchen oft an den Orten errichtet, an denen ein slawisches Heiligtum gestanden hat. 3.2.1. Die Kirche in Pinnow Auch der erhöhte Platz der Pinnower Kirche könnte ein solcher Ort gewesen sein, um den herum sich das Dorf entwickelte. Das würde auch ihre dezentrale Lage erklären. Das Westportal der Kirche mit einem Teil des Turmes gilt als der älteste Teil; er wird auf die Mitte des 13.Jahrhunderts datiert, der übrige Bau stammt aus dem 14. Jahrhundert. Im 30-jährigen Krieg wurde die Kirche teilweise zerstört. Um 1835 wurden die Außenwände mit Putz versehen, der jedoch später wieder entfernt wurde. Dabei wurde offenbar auch der noch im 18. und 19.Jahrhundert an der Südseite vorhandene besondere Zugang zur Empore für den Patron der Kirche geschlossen. Eine umfassende Sanierung war auch 1889 notwendig, nachdem am Turm- und Kirchendach Wurm- und Schwammbefall festgestellt worden war, Auch das Innere der Kirche wurde mehrfach verändert. So wurden z. B. die früheren seitlichen Emporen, die bis zur ersten Bankreihe reichten, 1910 entfernt. Noch 1705 befand sich seitlich vom Altar neben den Stühlen der eingepfarrten adligen Höfe und der großherzoglichen Familie auch ein Beichtstuhl. 1839 wurde die Kirche umfassend erneuert und auch der Fußboden neu gepflastert. Dabei wurde auch das unter dem Altarraum befindliche Grabgewölbe gesichert. Der gesamte Kirchenraum wurde neu ausgemalt. Es wurden zwei neue Leuchter angeschafft, und der Gutsbesitzer Lancken auf Gneven schenkte ein neues Altarbild, das zeitweilig den schönen holzgeschnitzten Altar ersetzte. 1906 erhielt die Kirche die erste elektrische Beleuchtung. Eine Orgel erhielt die Kirche erst im Jahre 1851, erbaut von dem Orgelbaumeister F.Friese in Schwerin, die aber 1927 schon durch eine vom Orgelbaumeister M.Runge aus Schwerin errichtete neue Orgel ersetzt werden musste. Zurzeit sammeln Kirchengemeinde und Förderverein Spenden für eine neue Orgel, da auch die Runge-Orgel inzwischen erhebliche Mängel aufweist und den heutigen Anforderungen nicht mehr gerecht wird. Im Turm befanden sich ursprünglich drei Glocken; heute sind es nur noch zwei. Die große und älteste stammt aus dem Jahre 1494. Die kleinere wurde 1930 neu angeschafft. Eine mittlere Glocke wurde im letzten Krieg eingeschmolzen. An der Südseite des Turmes etwa in Augenhöhe befinden sich die in einen Stein eingemeißelten Initialen „FF“ des Schweriner Großherzogs Friedrich Franz II. Sie erinnern daran, dass der großherzogliche Sommersitz in Raben Steinfeld ebenso wie das Dorf Raben Steinfeld nach Pinnow eingepfarrt waren und die großherzogliche Familie in Pinnow oft den Gottesdienst besuchte.
Kirche in Pinnow Friedhof mit Kapelle in Pinnow
Gebäude Der ursprüngliche Pfarrhof mit seinen stroh- und rohrgedeckten Gebäuden ist im 30-jährigen Krieg abgebrannt. Ein neues Pfarrhaus konnte zunächst nur provisorisch errichtet werden. Ein insgesamt neues Pfarrgehöft entstand 1774, allerdings nicht an der Stelle des alten Gehöftes, das vermutlich dort gestanden hat, wo sich heute das alte Schulhaus (jetzt Kindergarten) befindet. In den Jahren 2020/21 wurde das Pfarrhaus umfassend saniert. Auf dem Pfarrgelände wurde ein Blockhaus für verschiedene Aktivitäten errichtet. Die Pfarrscheune ist vermutlich schon 1733 entstanden; 1825 wurde eine Vergrößerung der Scheune vorgenommen. Eine weitere Scheune wurde 1945 wegen Baufälligkeit abgerissen. Zu den „geistlichen Gebäuden“ gehörte auch das Predigerwitwenhaus für die unversorgte Witwe des Pastors. Es wurde Mitte des 18. Jahrhunderts errichtet. Nach 1832 wurde es zunächst vermietet und 1879 verkauft (heute Dorfstraße Nr. 14). Friedhof Der um die Kirche herum angelegte Friedhof erhielt 1770 eine Feldsteinmauer; 2004 wurde sie saniert bzw. neu als Trockenmauer errichtet. Wann der der Kirche gegenüber auf der anderen Straßenseite liegende Friedhof angelegt wurde, ist nicht genau bekannt. Auf dem Friedhof seitlich vor dem Westportal der Kirche befindet sich eine im Jahre 1832 errichtete Grabkapelle der Familie des früheren Gutsbesitzers Bühring in Gneven, die 2005 saniert werden konnte. 3.2.2. Die Kirche in Sukow Schon im 16.Jahrhundert werden die Kapellen in Sukow und Görslow als Filialen von Pinnow genannt. Die erste Kirche (Kapelle) wurde vermutlich im 30-jährigen Krieg zerstört. 1698 erfolgte der Neubau einer Kapelle, die aber nach 200 Jahren wieder abgebrochen wurde. Die jetzige neugotische Kirche wurde 1880 - 1883 errichtet. Die zwei im zweiten Weltkrieg eingeschmolzenen Glocken wurden in den Jahren 1967/68 ersetzt. Der Turm erhielt im Jahre 2013 eine von drei Seiten weithin sichtbare Uhr, die schon zur Bauzeit vorgesehen war, aber nicht realisiert werden konnte.
Kirche in Sukow Friedhof in Sukow 3.2.3. Die Kirche in Görslow Nach einer Inschrift auf der alten Glocke auf dem Friedhof kann der erste Kirchenbau auf das Jahr 1457 datiert werden. Die Kirche befand sich mit dem Friedhof im Gutspark, wurde aber wegen Baufälligkeit 1792 abgebrochen. Aus den Resten der Kirche errichtete man 1840 eine Grabkapelle für die Familie des Gutsherrn im Gutspark. Die jetzige Kirche wurde 1842 – 1845 im klassizistischen Stil errichtet und 1846 geweiht. Der aufgesetzte kleine Turm erhielt erst 1975 eine Glocke. Das Innere der Kirche wurde 1997 restauriert, das Inventar erneuert.
Kirche in Görslow Neuer Friedhof in Görslow Friedhof Gleichzeitig mit dem Abbruch der Kirche wurde der Friedhof eingeebnet und das Gelände in den Gutspark einbezogen. Der Friedhof wurde an anderer Stelle (Bereich der Schäferei, heutige Siedlung) neu angelegt, die Toten umgebettet und die Grabsteine umgesetzt. Die alte Kirchenglocke erhielt hier einen neuen Standort. 3.2.4. Die Kirche in Vorbeck Die Kirche stammt im Kern vermutlich aus dem 14.Jahrhundert. Etwa im 18.Jahrhundert wurde sie nach Schäden aus früherer Zeit verändert, die mit Ranken bemalte Holzdecke eingezogen und beiderseitige Anbauten am Chor errichtet. Aus dieser Zeit wird auch der niedrige Turm aus Fachwerk mit verbrettertem Aufsatz und dem achteckigen Spitzturm stammen. Nach 1945 war die Kirche stark verwüstet. Ab 1963 erfolgte eine aufwendige Sanierung und Rekonstruierung mit wesentlicher Hilfe durch die frühere Gutsfamilie Buss.
Kirche in Vorbeck Friedhof in Vorbeck Friedhof Um die Kirche herum befindet sich der Friedhof |
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letzte Aktualisierung der Datenbank Ortsfamilienbuch Pinnow (bei Schwerin): 06.07.2026 Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons - Namensnennung 4.0 International Lizenz
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