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Ortsfamilienbuch Wiesau, Tannenberg und Schubertskrosse

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Wiesau, 652 Einwohner im Jahr 1939, liegt 16 km südwestlich der Kreisstadt Neisse. Zum ersten Mal wird der Ort 1284 unter dem Namen „Pratum“ urkundlich genannt. Die Katholische Pfarrei  St. Katharina, bis 1945 mit 205 Morgen (= 51 Hektar) Grundbesitz (Wiedemuth) ausgestattet, war ursprünglich eine Filiale von Weidenau. Zu dieser Filiale gehörten nach dem Zehentenverzeichnis von 1522 die Dörfer Wiesau, Tannenberg und Arnsdorf. Pfarrer Adam Merkel in Weidenau (1590-1618) legte Tauf-, Toten- und Kopulationsbücher an, aus denen hervorgeht, dass die Täuflinge der Dörfer Wiesau, Tannenberg und Arnsdorf in der Filialkirche zu Wiesau getauft werden. Eigene Kirchenbücher werden seit 1701 geführt. Eine selbständige Pfarrei wird Wiesau im Jahre 1781, zu der noch Schubertskrosse hinzukommt.

Erster preußischer Pfarrer wird Andreas Hertrampf aus Schmottseifen gebürtig. Er reklamierte die Wiedemuth, die von dem Inhaber der rittermäßigen Scholtisei gegen Entrichtung einer mäßigen Erbpacht gepachtet ist. Im Jahre 1792 erfolgt die Rückgabe. Dadurch hat er sich um die Pfarrei und die Gemeinde Wiesau große Verdienste erworben. Er stirbt am 5.10.1807 im Alter von 73 Jahren an Entkräftung und wird am 7.10.1807 auf dem Kirchhof in Wiesau begraben. Nach seinem Tod wird die Pfarrei für mehrere Jahre administriert.

1812 wird Joseph Engler, geboren in Ottmachau, Pfarrer von Wiesau. Er leidet lange Zeit an Gicht, stirbt am 23.12.1833 an Wassersucht und wird am 26. Dez.1833 in Wiesau begraben.

Nach Pfarrer Engler administriert Emanuel Schreyer - aus Grottkau gebürtig - die Pfarrei bis zum 6.10.1834. An diesem Tage zieht der am 18.10.1800 zu Neustädtel (Kreis Freystadt) geborene und am 17.04.1825 in Breslau zum Priester geweihte Pfarrer Anton Kreibig in Wiesau ein. Am 21.05.1845 stirbt er mit 45 Jahren an Brustverschleimung und wird am 24. Mai in Wiesau begraben.

Nachdem die Pfarrei ein ganzes Jahr lang von Kaplan Augustin Stelzer administriert worden ist, übernimmt am 13.07.1846 der am 4.06.1805 in Grünberg geborene und am 13.01.1928 zum Priester geweihte Carl Nippe die Pfarrei. Er bleibt nur bis 1851. Die Dürr Arnsdorfer, die stets nach einem eigenen Gottesdienst in ihrer Kapelle streben, machen ihm mit ihrem Drängen viel Verdruss, so dass er um Versetzung nach Ottmachau bittet. Am 19. Nov. 1847 schreibt Pfarrer Nippe:  „Auf den Wunsch der Gemeinde Dürr-Arnsdorf erkläre ich hiermit, daß ich gern bereit bin zur Errichtung einer Local Kapellanei in Dürr-Arnsdorf meine Zustimmung zu geben und zu diesem Behufe die dasige Gemeinde aus dem hiesigen Pfarr-Verbande zu entlaßen, weil nur auf diese Weise zwischen hiesiger Parochie und der Gemeinde Dürr-Arnsdorf der Friede vollkommen hergestellt und auch nur dadurch den religiösen Bedürfnißen der letztern vollständig und in ihrem ganzen Umfange genügt werden kann. Auf alle und jede disfällige Entschädigung, welchen Namen diese immer haben möge, verzichte ich hiermit für meine Person, vorausgesetzt, daß Eine hohe Behörde, der ich natürlich nicht vorgreifen kann und darf, in dieser Beziehung nicht etwa anders verfügt.“

Am 8. Juli 1851 übernimmt der am 20.03.1808 in Oberhermsdorf geborene Alois Gebauer die Pfarrei. Ein Jahr nach seinem Amtsantritt  stellen die Dürr-Arnsdorfer den Antrag auf Gottesdienst an jeden Sonntag. Die geistliche Behörde geht auf ihren Wunsch ein. Doch Pfarrer Gebauer hat mit den Kaplänen wenig Glück. Ignaz Buchmann war unbrauchbar für die Seelsorge, Joseph Alder ein toller Sänger, Augustin Pätzold plauderhaft und unüberlegt. Der Verdrießlichkeiten müde, beantragt Gebauer selber die Errichtung einer Lokalie für Dürr-Arnsdorf, die Ende 1854 erfolgt. 1846 legt sich die Gemeinde Dürr-Arnsdorf einen eigenen Kirchhof an. Eine Betkapelle besteht seit 1754. Den Wunsch nach einem eigenen Seelsorger unterstützt Pfarrer Gebauer mit folgendem Schreiben vom 17. Aug. 1854 an den Herrn Commissarius: „Euer Hochwürden werden durch die Erfüllung dieser meiner Bitte nicht bloß den Dürr-Arnsdorfern, sondern auch mir eine große Wohltat erweisen, jenen weil sie sodann der gewünschten Anstellung eines  Lokalkaplans mit Gewißheit entgegensehen können, und mir, weil ich so die Aussicht habe, einer unzufriedenen Gemeinde und großen Last los zu werden. Ist erst Arnsdorf mir abgenommen, dann erst kann ich in Wiesau zufrieden leben.“ Am 17. März 1884 feiert Pfr. Gebauer, unterdessen Erzpriester geworden, unter zahlreicher Beteiligung seiner Kirchkinder, Amtsbrüder und hervorragender Laien sein Goldenes Priesterjubiläum. Er wird zum Geistlichen Rat ernannt und von der weltlichen Behörde mit dem Roten Adler-Orden „geschmückt“. Am 6.1.1885 stirbt er unvermutet an einem Schlaganfall und wird am 10. Januar auf dem Kirchhof in Wiesau beerdigt. Die Pfarrei wird administriert vom Lokalisten Schadeck in Dürr-Arnsdorf.

Im April 1885 wird Pfarradministrator Joseph Engler - am 27.06.1839 in Ottmachau geboren, am 01.07.1865 zum Priester geweiht - als Seelsorger nach Wiesau berufen und am 15.04.1885 von Erzpriester Barndt eingeführt. Das religiöse Leben blüht unter Pfr. Engler auf. Der Kindheit-Jesu-Verein, Verein von der hl. Familie, Missionsverein und der Rosenkranzverein werden von ihm gegründet. Im Wege des Stellentausches mit Pfarrer Obst verlässt er 1895 Wiesau und stirbt am 01.01.1901 in Alt...? bei Sagan.

Sein Nachfolger, Pfarrer Joseph Obst - am 06.07.1834 zu Kraschen im Kreis Guhrau geboren,  am 12.06.1858 zum Priester geweiht - trifft am 30. März 1895 in Wiesau ein. Eine beginnende Arterienverkalkung lähmt seine Tätigkeit und setzt seinem Leben am 26.06.1906 plötzlich ein Ende. Sein größtes Werk ist die Errichtung einer Niederlassung der Grauen Schwestern für Kleinkinderschule und ambulante Krankenpflege durch ein Vermächtnis von 12.000 Mark, die er zu diesem Zwecke aussetzte. Die Pfarrei wird bis zum 17.10.1907 von Kuratus Klose aus Dürr-Arnsdorf administriert.

Vom 17.10.1907 bis 30.04.1928 ist Theodor Spottke - am 11.01.1857 in Volkmannsdorf geboren  und am 27.06.1885 zum Priester geweiht - Pfarrer von Wiesau. In der von ihm verfassten Chronik der Pfarrei Wiesau ist zu lesen: „Die Bevölkerung ist noch gläubig. Der Kirchenbesuch läßt allerdings manches zu wünschen übrig, namentlich der Dienstboten an Wochentagen, selbst in der Adventszeit ist gering. Ob dieser Umstand eine Folge der Berührung mit der österreichischen Bevölkerung ist, wage ich nicht zu entscheiden. Die Bevölkerung ist im allgemeinen mäßig, sittsam und friedfertig. Prozesse, wie das in anderen Dörfern der Fall ist, kommen selten vor. Ein endgültiges Urteil über die Bevölkerung will ich damit noch nicht abgegeben haben, da meine Wirksamkeit erst verhältnismäßig kurze Zeit dauert. Das eine ist mir aufgefallen, daß in hiesiger Gegend ziemlich kräftig geflucht wird.“

Die weiteren Geistlichen sind Pfarrer Rudolf Graupe (1928) und Pfarrer Artur Gabiersch, am 8.12.1882 in Beuthen geboren, am 15.06.1909 in Breslau zum Priester geweiht, am 04.04.1960 in Tennenbronn (Baden-Württemberg) gestorben. Am 25. März 1945 schreibt Pfr. Gabiersch in das Vermeldungsbuch:

  1. Wir befinden uns im sogenannten Operationsgebiet, das heißt, wir laufen täglich und stündlich Gefahr, Schaden an unserer Gesundheit oder gar den Tod zu erleiden durch feindliche Flieger und Artilleriebeschuß.
  2. Erschwerend kommt hinzu, daß wir ins Gefechtsgebiet hineinbezogen worden sind, die Gefahren für Gesundheit und Leben sind somit gestiegen. Die russische Artillerie steht bei Preiland, Luftlinie 10 km.
  3. Eine nochmalige Aufforderung der Zivilbevölkerung zum Verlassen des Gefechtsgebietes erfolgt nicht.

Nach Kriegsende (8. Mai 1945) kehrt die Bevölkerung in das Dorf zurück. Am 28. Juni 1945 haben die Wiesauer innerhalb von zehn Minuten Haus und Hof  zu verlassen und sich im Klostergarten zum Abmarsch in Richtung Ottmachau einzufinden. Die Vertreibung führt das polnischen Militär durch. Am selben Tag werden auch die Bewohner von Schubertskrosse vertrieben. Am 30. Juni trifft die erste Gruppe Polen im Dorf ein und wird sofort durch den polnischen Naczalnik Gminy (Gemeindevorsteher) von Wiesau, H. Bugajski, auf die Bauernhöfe verteilt. 

Karl Müller  (fr. Dürr-Arnsdorf)

Quelle: „Chronik der Pfarrei Wiesau“ von Theodor Spottke, Pfarrer von Wiesau


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Peter Friedrich Leue-vom Hofe, Bernd Hackauf