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Ortsfamilienbuch Cogealac (Dobrudscha)

Aus dem „Heimatbuch der Dobrudschadeutschen

Kodschalak (Domnesti)

Christian Speitel

Die ersten fünfzehn Familien aus den bessarabischen Dörfern kamen im Jahre 1873 in Kodschalak an. Nachher kam ein größerer Zuzug aus den Kolonien des Gouvernements Cherson. Schon zwölf Jahre später zählte Kodschalak 486 Einwohner. Kodschalak ist wahrscheinlich die ausgedehnteste unter den deutschen Gemeinden. Jede Familie erhielt einen Hofplatz, zuerst 4000 qm und später 2000 qm. Unter den Türken haben die deutschen Bauern einen Schulzen gewählt. Er sorgte in der Gemeinde für Ordnung. Die Türken haben keine deutschen Männer zum Militärdienst eingezogen. Der Russisch-Türkische Krieg    (1877-1878) brachte Schrecken, Jammer und Not in die Gemeinden. Die zurückweichenden Türken und Tscherkessen raubten die Bauern aus, auch wurden viele Häuser zerstört.

Nach dem Krieg konnten die Bauern drei Jahre ohne jede Abgabe und Pachtzahlung so viel Land bebauen , wie sie wollten. Nach drei Jahren haben die rumänischen Behörden die Steuern eingenommen. Um Kodschalak war viel herrenloses Land. Die türkischen Besitztitel wurden anerkannt, wenn die Familien die Tapy-Zettel vorzeigen konnten. Tapy-Zettel bedeuten „amtliche Bescheinigung zu Recht bestehenden Grundbesitzes“. Es wurden 10 ha für Kopf zugeteilt, nur mit der Einschränkung, daß keine Familie mehr als SO ha erhielt. Für 10 ha mußte man 25 Jahre lang jährlich 48 Lei 75 Bani zahlen. In dieser Zeit hatte der Besitzer kein Verkaufsrecht. Das Land fiel an den Staat zurück, wenn einer drei Jahre lang die Steuern nicht bezahlt hatte, ebenso das der Auswandernden. So hat der Staat im Laufe der Zeit über 1000 ha Land zurückerhalten. Dieses Land wurde an die rumänischen Kriegsveteranen verteilt. So kamen 65 rumänische Familien nach Kodschalak.

Die deutschen Bauern hatten über 100 ha mit Weinreben bepflanzt. Um 1900 wurden die Reben durch die Phylloxera vernichtet. Nach dem ersten Weltkrieg haben die Bauern wieder Weinreben gepflanzt. Prof. Dr. Paul Traeger schrieb über Kodschalak: „In der Mitte des Dorfes steht, von einem Garten umgeben, die schöne Kirche, die man mit ihrem hohen quadratischen Turm schon von weither sieht. Sie wurde nach einem in Deutschland ausgeführten Plan gebaut, und zwar mit Hilfe der Gustav-Adolf-Stiftung und der evangelischen Gemeinde Kodschalak.“ Im Jahre 192_5 haben die Gemeinden Kodschalak und Tariverde mit Hilfe des Dekanats von Bukarest ein schönes Pfarrhaus in Kodschalak gebaut. Vom Jahr 1925 bis 1930 hat Missionar Zimmerling und von 1930-1940 Pfarrer Benjamin Wildermuth diese Gemeinde betreut.

Die Baptisten hatten ein Bethaus, und die Rumänen erbauten eine orthodoxe Kirche. Die evangelische Gemeinde beabsichtigte die Errichtung von Lehrerwohnungen und ein Schulgebäude mit mehreren Klassen. Die Pläne wurden von einem namhaften Architekten aus Bukarest angefertigt.
Seit dem Jahre 1884 feierten die Gemeinden Kodschalak und Tariverde am 31. Mai einen Buß- und Bettag zur Erinnerung an die Erlösung von einer Trockenzeit.

Lange Zeit hatte die Gemeinde deutsche Bürgermeister. Der letzte deutsche Bürgermeister war Johann Klukas im Jahre 1934. Von 1935 bis 1940 war er Gauobmann in der Dobrudscha. Im Jahre 1879 übernahm Martin Radke die erste Lehrerstelle. Nach ihm kamen noch andere Lehrer. Von 1900 bis zur Umsiedlung 1940 waren es folgende Lehrer: Immanuel Rösner, Friedrich Hannemann, Jakob Knodel, Gotthilf Weingärtner und Otto Wernick.

In der Gemeinde wohnten Deutsche, Rumänen, einige Türken, Juden und Bulgaren. In der Mitte der Gemeinde war ein großer Marktplatz. Ringsherum waren Kaufläden, einige Wirtshäuser und Handwerker. An der Westseite des Marktplatzes war das Gericht, das Bürgermeisteramt, die evangelische Kirche und die orthodoxe Kirche. Von hier gingen mehrere lange und schöne Straßen ab. Besonders die lange und breite Toxof-Straße war begrenzt von Mauern und Akazienbäumen. An der Ostseite liefen auch mehrere breite Straßen, eine ging nach Tariverde. Alle Straßen waren begrenzt von Mauern und Akazienbäumen. An jedem Dienstag kamen viele Menschen aus den näheren Dörfern und der weiteren Umgebung zum Markt. Allerlei Gemüsearten, Eier, Hühner, Gänse, Schafe, Kühe, Tongeschirr, Holzgabeln, Holzschaufeln und Holzrechen wurden angeboten. Viele schöne Pferde wurden verkauft, und nachher nahm man einen Imbiß und trank dazu einen guten Wein. In den dreißiger Jahren kamen so viele Menschen mit Pferdewagen und vielerlei Waren zum Markt, daß sie nicht alle in den Marktplatz hineinkommen konnten. Deshalb mußte der Markt nach Norden, Richtung Bahnhof, verlegt werden.

Vor dem ersten Weltkrieg und nachher haben sich in Kodschalak staatliche und private Einrichtungen niedergelassen, die für die Daseinsvorsorge (Infrastruktur) und die wirtschaftlichen Einrichtungen eines Ortes erforderlich sind.

In der Gemeinde wurden folgende staatliche und private Einrichtungen geschaffen:

  • Bürgermeisteramt
  • Bezirksgericht
  • Bezirks-Veterinäramt
  • Bezirks-Landwirtschaftsamt
  • Bezirks-Finanzamt
  • Bezirks-Notariat
  • Bezirks-Gesundheitsamt
  • Polizei
  • Post, Telegrafen- und Telephonstation
  • Bahnhof
  • Buslinie nach Konstanza und zurück
  • Apotheke
  • 4-6 Rechtsanwälte
  • Motor-Walzenmühle und Ölmühle von Sezonov, Ene Stefan
  • Tierarzt Dr. Josef Schuldner
  • Arzt Dr. Avram Josif Reidel
  • Ölmühle Rösler
  • Tuchfabrik Reinhold Görres: Spinnerei, Fär¬berei und mechanische Strickerei, Erzeugung von Elektrizität für die Fabrik und die Marktplatzbeleuchtung
  • Molkerei Daniel Heim und Sohn
  • Kaufhäuser, Wirtshäuser und allerlei Gewerbe
  • Bank der Bauern
  • Deutsche Schneiderinnen: Regina Hoffmann, Ottilie Koch, Rieke Muster, Dora Heil
  • Deutsche Schneider: Christoph König, Adolf Heil, Heinrich Walter
  • Deutsche Schmiede: Wilhelm Gallert, Johann Körner, Konrad Walter, Ed. Käfer
  • Deutsche Tischler: Christian Reinhard, Alexander Quast, Fritz Walter, Matthias Ruf
  • Deutsche Metzger: Johann Schon, Daniel Göhnert
  • Deutsche Mechaniker: Rudolf Kameninski
  • Deutsche Maurer und Dachdecker: Daniel Ziebart

In wirtschaftlicher Hinsicht war somit Kodschalak nicht nur eine der größten, sondern auch eine der bestentwickelsten deutschen Gemeinden in der Dobrudscha.

Quellenangaben
Namensangaben der Handwerker: Regina Hoffmann
Prof. Dr. Paul Traeger: Die Deutschen in der Dobrudscha, Seiten 79-82
Dekan Hans Petri: Geschichte der deutschen Siedlungen in der Dobrudscha, Seite 96 und 98


Geschichte

Die Geburtstunde der Gemeinde
Im Frühjahr des Jahres 1875 kamen aus Katzbach (Bessarabien) über Tultscha und Katalui die ersten Ansiedler nach Kodschalak.
Dies waren die Bauern August Kern, Adam Burgemeister, Heinrich Sülzle und der Gemeindeschreiber des Dorfes, Johann Straub. Überall hielten sie Umschau. Fachri gefiel ihnen wegen der hohen Lage nicht, Babadag, Peceneaga und Regina Maria waren ihnen zu waldig und bergig. Schließlich verlockte sie die weite Ebene nach Kodschalak.
Als Dolmetscher hatte Karl Edinger aus Katalui die Verhandlungen mit dem türkischen Präfekten in Babadag geführt. Man schenkte dem Präfekten ein schönes Pferd und erhielt dafür Anweisungen auf 40 Hofplätze. Kodschalak war damals ein unscheinbares Türken- und Tatarendorf, was aber den Zuzug deutscher Siedler keineswegs abschreckte.
Die Zuwanderung
Es kamen die Familien Sandau, Klukas, Ludwig Knopp, Gottlieb Kern, Christian Müller, Christian Vetter, Andreas Isaak, Martin Gottschalk, Christian Hoffmann, Michel Henne, Jacob Bohnert, Johann Kusk, Ludwig Kabitzke. Als ledige Burschen zogen ein: Georg Schöttle, Johann Sept, Andreas Wiedmer, Christian Jeske, Ludwig Bich, Michel Grabatin, August Leski.
Mit der türkischen Behörde in Babadag gab es nun sehr viel zu verhandeln. Das besorgten Johann Straub, Adam Burgemeister und Heinrich Sülzle. Jede Bauernfamilie bekam 6 ha Land, das sogenannte Tapyland, als Eigentum. Da die Zuwanderer ihren Viehbestand von Bessarabien mitgebracht hatten, konnten sie die Feldbestellung sofort vornehmen, leider ohne Erfolg, denn jenes Jahr brachte der Dobrudscha eine totale Mißernte. Man baute sich einstweilen schnell einige Hütten, Vater Straub sogar ein Häuschen nach bessarabischem Muster, das Dach mit Rohr gedeckt. Statt der Türen und Fenster hatte man nur Decken und Rohrgeflecht. Die Dachkonstruktion war derart, daß man am ersten Weihnachtstag 1875 bei starkem Regen das Wasser mit Eimern hinaustragen mußte.
Streit mit den Andersgläubigen
Des Heues wegen gab es oft viel Streit mit den Türken. Diese holten sich eigenmächtig gut 1/J des gemachten Heues der Deutschen. Auch wegen der Schweinehaltung gab es ständig Ärger, weil die Türken aus religiösen Gründen nämlich kein Schweinefleisch essen dürfen. Um künftig Feindseligkeiten vorzubeugen, entschied der zuständige türkische Präfekt, daß die deutschen Siedler nur bei bestimmter Entfernung vom Türkenviertel bauen durften.
Der Russisch-Türkische Krieg
Eine reiche Getreideernte stand 1877 auf dem Felde, aber da brach der Russisch-Türkische Krieg aus, wobei die Ansiedler ihren ganzen Viehbestand sowie alle Fuhrwerke verloren haben. Als die Kriegsfurie sich mehr nach Süden verzogen hatte, wollte man die Ernte einbringen. Dazu fehlten aber die Arbeitspferde, das Pferdegeschirr und die nötigen Wagen. Viel Zeit ging verloren, bis jeder Bauer eine Möglichkeit fand, die wartende Ernte zu bergen. Mittlerweile hatten schon die fleißigen Feldmäuse das Ernten besorgt. Sie schnitten die Getreideähren vom Halme, trugen sie auf Haufen und bedeckten dieselben mit feiner Erde. Nun kamen endlich die Bauern mit den aufgetriebenen Fuhrwerken, luden die Ähren auf, fuhren nach Hause und begannen zu dreschen.
Rumänien bekam die Dobrudscha
1878 fiel die Dobrudscha an Rumänien, und die deutschen Siedler hatten ihre Wirtschaften bald wieder leidlich instand gesetzt. Auch schulisch und kirchlich ging es insofern  bessser, zumal  im Herbst  1879 Martin Radke die Lehrerstelle übernahm und die Gemeinde sich im folgenden Jahr ein Bethaus erbaute. Ein Harmonium wurde gekauft, und der Gustav-Adolf-Verein schenkte eine Kirchenglocke. Im geräumigen Betsaal wurde auch Schule gehalten. Nach und nach vergrößerte sich die Gemeinde, es kamen Leute aus verschiedenen Dörfern Bessarabiens hinzu, und zwar aus Kulm, Leipzig, Klöstitz, Beresina, Paris und anderen Dörfern. Fast jedes Dorf brachte eine andere Mundart mit, doch das Schwäbische hat im Laufe der Zeit alle andern verdrängt.

Die Krönung des Königs Karl I.
Vater Straub fuhr 1881 als Bürgermeister und Vertreter der Gemeinde nach Bukarest, um an der Krönung des Königs Karl I. aus dem Hause Hohenzollern-Sigmaringen teilzunehmen. Die jungen Leute von Kodschalak versammelten  sich am Krönungstag , dem 10. Mai, auf dem Marktplatz und ließen bei einem abgebrannten Feuerwerk den König hochleben.

Mißernten und Auswanderungen
Im Jahre 1883 wurde Kodschalak abermals von einer Mißernte heimgesucht, welche sich im folgenden Jahr wiederholte. Mancher der Väter verließ Haus und Hof und wanderte nach Amerika bzw. Kleinasien aus. Auch Lehrer Radke verließ im Herbst 1881 die Gemeinde, um sich einem weniger undankbaren Berufe zuzuwenden.

Wirtschaftliche Entwicklung
Eine Landzuteilung von 10 ha pro Menschenseele erfolgte 1886, doch nicht über 50 ha für die einzelne Familie - zahlbar im Laufe von 30 Jahren. Da in Kodschalak auch viele Rumänen beheimatet waren, Geschäfte eröffneten und jeden Dienstag Wochenmarkt stattfand, die Gerichtsbehörden ihren Sitz im Dorfe nahmen , besonders seit Eröffnung der Eisenbahnlinie in Richtung Babadag und Tultscha sowie in Richtung Medgidia, erhielt die wachsende Ortschaft immer mehr einen kleinstädtischen Charakter.

Vom kirchlichen Sektor
Aus der bessarabischen Heimat hatten die Väter auch ihre Bibel mitgebracht und das Wort Gottes im eigenen Haus und im Herzen geachtet und gepflegt. Auf ihren Wanderungen und in den Tagen großer Not haben sie immer wieder die Kraft des Wortes Gottes erfahren können. Als erstes Brautpaar wurde aus Kodschalak durch Johann Straub getraut: Georg Burgemeister mit Karoline Haak (1875). Als erster schied aus der Dorfgemeinschaft Andreas Haak im Alter von 18 Jahren , Sohn des Andreas Haak. Vom Wohlstand und der Opferwilligkeit der damaligen Zeit zeugt der Bau der schönen, großen Kirche mit folgenden Dimensionen: 28,20 m Länge, 10,60 m Breite und 11 m Höhe; der Turm mit Kreuz 23 m Höhe. Das Kirchenschiff hatte 230 Sitzplätze. Die Grundsteinlegung erfolgte am 14. Juli 1907, und am 12. Oktober 1909 konnte die Gemeinde ohne wesentliche fremde Hilfe aus eigenen Mitteln das begonnene Werk einweihen. Das Zustandekommen der Kirche ist nicht zuletzt auch dem rastlosen Eifer des damaligen Pfarrers Erich Darsow zu verdanken. Kirchlich und pfarramtlich wurde die Gemeinde lange Zeit von Atmadscha bedient.

Albert Stiller

Bemerkungen / Quellen:

Momentan sind keine erhaltene Kirchenbücher aus Cogealac bekannt. Der Zugriff auf die Zivilstandsregister, die ab 1905 in Cogelac vorhanden sind, ist stark reglementiert. Sekundärquellen ersetzen diese Lücke nur unvollständig. Dies sind insbesondere die unter dem Namen „Odessa-Files“ bekannten Abschriften der Koblenzer Mikrofilme von den familienkundlichen Erfassungsbögen der „Heimkehrer“, Artikel aus der Zeit ab 1905 in der Zeitung „Dakota Freie Presse“ sowie der „Rundbrief“, herausgegeben ab 1949 von Pastor H. Hahn.
Darüber hinaus gibt es natürlich im Internet eine Vielzahl von Stammbäumen auf den einschlägigen Genealogie-Portalen mit einzelnen Einträgen aus Cogealac.
Nicht verschweigen möchte ich dass die Daten aus den verschiedenen Quellen z.T. deutliche Widersprüche enthalten. Ein Grund ist, dass in Rumänien bis Ende 1918 der Julianische Kalender galt, der zu diesem Zeitpunkt bereits eine Abweichung von 13 Tagen zum in Deutschland üblichen Gregorianischen Kalender hatte.
Für Korrekturen und Ergänzungen bin ich dankbar. Zu manchen Personen habe ich Fotos, auch hier bitte ich um Ergänzungen.

Axel Eichhorn


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Axel Eichhorn